Russische Föderation
Kreml
ARBEITSLOSIGKEIT
Mehr als 17 Millionen Menschen in Russland sind arbeitslos (8 Mio. davon registriert).
Dies entspricht einer Quote rund 20 %. Mehr als 70 % der Arbeitssuchenden sind Frauen. Die Arbeitslosigkeit führt rasch zum sozialen Abstieg. Mehr als ein Drittel der 147 Millionen Menschen in
Russland hat ein Monatseinkommen, was weit unter der Armutsgrenze liegt.
BEVÖLKERUNG
Die Einwohnerzahl von Russland beträgt rund 147 Millionen, die etwa 100 ethnischen Gruppen angehören. Die Gesamtbevölkerung setzt sich aus etwa 82 Prozent Russen,
vier Prozent Tataren, drei Prozent Ukrainern und weniger als einem Prozent Weißrussen zusammen. Zu den Minderheiten gehören u. a. Baschkiren und Kasachen. Größte Städte sind die Hauptstadt Moskau mit
etwa zehn Millionen Einwohnern und Sankt Petersburg mit etwa fünf Millionen Einwohnern. Weitere Metropolen mit bis zu drei Millionen Einwohnern sind Nowosibirsk, Nischnij Nowgorod, Jekaterinburg und
Samara. Westlich des Urals ist das Land wesentlich dichter besiedelt als im Osten, die durchschnittliche Bevölkerungsdichte liegt bei nur neun Einwohnern pro km².
BILDUNGSWESEN
Russland besitzt ein gut entwickeltes Bildungssystem. Es besteht ein umfassendes Netz von Vorschulen, Grund- und Hauptschulen sowie weiterführenden Schulen. Dazu gehört auch die kostenlose
Weiterbildung für Erwachsene. Kleinkindhorte, Kindergärten und andere frühkindliche Bildungsstätten sind in Russland besonders gut besucht.
70 Prozent der Kinder im Vorschulalter besuchen eine staatliche Einrichtung.
DROGEN UND ALKOHOL
sind in Russland ein großes Problem. Eine der verbreiteten männlichen Freizeitbeschäftigungen ist das Trinken alkoholischer Getränke, wobei Hochprozentiges
den Vorzug genießt. Traditionell tranken Frauen weniger oder gar nicht. Seit einiger Zeit scheinen sich die Frauen allerdings, gleichberechtigt zu verhalten. Viele Menschen erkranken wegen
übermäßigem Konsum von Alkohol und anderen Drogen.
EINKAUFEN
Einkaufen so nebenbei, das geht meist nicht. Man sollte Geduld, Zeit und Kondition mitbringen. Das Warenangebot ist sehr vielseitig und unterschiedlich. Die
Gestaltung der Geschäfte variiert: lieblose Auslagen und angestaubte Schaufenster, die irgendeine Fliegenverdreckte Dauerware präsentieren, neben durchgestylten Kunstwerken überwiegend westlicher
Produkte. Entsprechend unterschiedlich sind auch die Preise. In den Geschäften mit westlicher Ware entspricht die Auswahl einem gehobenen internationalen Niveau. Käufer sind hier nur Ausländer oder
die Reichen. Der Durchschnittsverdiener muss in den staatlichen Läden oder an einem Stand einkaufen, wo das Warenangebot meist sehr schlecht ist.
EINLADUNGEN
Russische Gastfreundschaft mit Einladungen in das private Umfeld wird auch heute nicht schnell angeboten. Wenn sie jedoch stattfindet, dann ist sie einfach
überwältigend.
GEDULD
Die meisten russischen Menschen legen eine umfassende Geduld an den Tag. Mit Ruhe und Gelassenheit nehmen sie das "Unvermeidliche" hin. Wenn ein Flug ausfällt und die
Wartezeit ungewiss, wenn Zollbeamte Stunden brauchen, wenn vor einer langen Schlange plötzlich das Schild "geschlossen" herausgehängt wird, sogar wenn sie bereits seit Monaten schon keinen Lohn mehr
erhalten - nehmen die Russen dies sehr lange mit äußerlichem Gleichmut hin. Doch auch für den Geduldigsten gilt: "Zwar können die Russen viel verschmerzen, doch wenn sie einmal in Harnisch gebracht
werden, dann sind sie nicht leicht wieder zu stillen."
FAMILIE
Die Familie hat eine sehr große Bedeutung. Da es an Wohnungen fehlt, sind viele junge Paare gezwungen, bei den Eltern zu wohnen. Wie in anderen Ländern ist die
Kinderzahl in der Stadt geringer als in ländlichen Regionen. Da normalerweise beide Elternteile arbeiten und Kindertagesstätten, die früher vom Staat unterhalten wurden, heute teuer sind, übernehmen
oftmals die Großeltern die Kinderbetreuung.
ENTBINDUNGSHEIME
Die Ausstattung und die Hygiene sind extrem schlecht. Trotzdem wird, aufgrund "hygienischer" Bestimmungen, werdenden Vätern und Besuchern der Zugang in der
Regel untersagt. Genauso wenig ist es vorgesehen, dass Väter bei der Geburt anwesend sein dürfen, ebenso wenig wie das Rooming-in der Säuglinge bei der Mutter. Die Säuglingssterblichkeit ist dreimal
so hoch wie in westlichen Ländern. Geburtsschäden treten ebenfalls wesentlich häufiger auf.
KRANKENHÄUSER
Medizinische Versorgung wird kostenfrei gewährt, ist aber nicht flächendeckend gewährleistet. Die Ärzte sind zwar oft hochqualifiziert, doch fehlt es bei der
Behandlung der Patienten an modernen Geräten und den entsprechenden Medikamenten. Die Krankenzimmer sind meist überbelegt, zehn, fünfzehn und mehr Patienten in einem Zimmer sind die Regel.
Frischoperierte, Genesende und Sterbende liegen zusammen. Oft gibt es aus Kostengründen kein Abendessen.
TRINKEN UND ESSEN
Die Menschen genießen es, ein reichhaltiges Frühstück zu sich zu nehmen. Suppe ist ein wichtiger Bestandteil des Mittag- oder Abendessens. Zakuski
(Appetitmacher) werden bei jedem Essen und in den verschiedensten Formen angeboten. Typische russische Gerichte sind Borschtsch (Kohlsuppe mit Roter Bete), Piroschki (gefüllte Rouladen) und Blini
(Pfannkuchen) mit schwarzem Kaviar. Schweinefleisch, Wurst, Huhn und Käse werden ebenfalls gern gegessen. An alkoholischen Getränken trinkt man in Rußland bevorzugt Wodka, im Süden auch Wein.
MENTALITÄT
Die Menschen sind sehr stolz auf ihre kulturelle und geistige Vergangenheit, die so berühmte Komponisten wie Peter Tschaikowsky oder Modest Musorgski und Dichter
wie Fjodor Dostojewski und Lew Tolstoi hervorbrachte. Die Umwälzungen, die sich in kurzer Zeit vollzogen haben, führten allerdings dazu, dass die Menschen ihr Leben z. T. grundlegend ändern mussten.
Vielen geht es wirtschaftlich schlecht, und sie leiden unter starken Zukunftsängsten.
NEUGEBORENE
werden nach alter Tradition mit angelegten Ärmchen sehr eng gewickelt und in eine Art Steckkissen gepackt, das mit gekreuzten Bändern zugeschnürt wird. Diese
Wickelmethode wird, manchmal monatelang, beibehalten.
AMTSPERSONEN
vor allem weibliche in mittleren Chargen, sprechen im Dienst häufig sehr laut, scharf und in hoher Stimmlage. Sie sind daran gewöhnt, dass der durchschnittliche
russische Besucher von Dienststellen sich eher leise, vorsichtig, einschmeichelnd äußert, sozusagen bittstellert.
Ausländische Besucher von Dienststellen, die sich ungerecht behandelt fühlen, übernehmen bisweilen die Sprechweise der Amtsträger und werden ebenfalls laut und scharf. Die Amtsperson reagiert hierauf
jedoch meistens mit Abwehr und nur selten durch besonderen Einsatz. Gibt es jedoch einheimische Zeugen des Vorfalls, ergreifen sie oft Partei für den Ausländer aufgrund der traditionellen
Hilfsbereitschaft gegenüber einem ausländischen Gast. Einige freuen sich auch über dessen Aufmüpfigkeit, die sie sich schon lange wünschen, aber noch nicht trauen selber auszuleben.
SPRACHE
Die Amtssprache ist Russisch, das zu den slawischen Sprachen gehört. Sie basiert auf dem kyrillischen Alphabet, das aus 33 Buchstaben besteht. Die anderen
Volksgruppen sprechen neben Russisch ihre eigene Muttersprache.
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