Motivation

Unsere Adoptions-Geschichte
Im Jahr 1994 stand unser Entschluss fest, wir wünschten uns ein Adoptivkind in unsere Familie aufzunehmen. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir bereits einen leiblichen Sohn (Tim, geb. 1989).
Wir durchliefen das Eignungsverfahren für Adoptionsbewerber beim hiesigen Jugendamt und erhielten nach 11 Monaten die Unbedenklichkeits- bescheinigung. Uns wurde schnell klar, dass wir keine realistische Chance auf die Vermittlung eines deutschen Kindes hatten, denn die Liste der Bewerber war lang. Die wenigen Kinder, die zur Adoption freistanden wurden fast ausnahmslos an kinderlose Ehepaare vermittelt.Wir wandten uns daraufhin an alle in Deutschland zugelassenen Adoptionsvermittlungsstellen für Auslandsadoptionen. Bei einigen wurden wir in die Warteliste aufgenommen, große Hoffnungen wurden uns jedoch nicht gemacht. Auf jahrelange Wartezeiten wurde hingewiesen und wieder auf die Tatsache, dass wir bereits einen Sohn hatten. Unser Ziel erschien uns unerreichbar.In der nächsten Zeit beschäftigten wir uns mit der einschlägigen Literatur über Auslandsadoptionen. Wir hörten von Paaren, die auf eigene Faust nach Südamerika, Polen oder Russland gefahren waren, doch das Risiko erschien uns so groß. Wir wollten sicher sein, dass alles legal ablaufen würde. Mehr durch Zufall fanden wir im Internet die Anschriften und Webseiten zahlreicher ausländischer Agenturen und begannen einen regen Schriftwechsel führen.  Nach vorangegangen, intensivem Kontakt entschlossen wir uns für die amerikanische Agentur Global Adoption Services, Inc., die bei der Vermittlung von Kindern aus Russland Hilfestellung leistet.
Wir erhielten Info Material, füllten Fragebögen aus und zahlten die erste Gebühr. Ende August 96 wurden wir als Bewerber anerkannt und erhielten eine Liste mit den erforderlichen Adoptionspapieren.Die Zusammenstellung der Dokumente war nicht ganz einfach, da wir niemanden kannten, der bereits ein Kind aus Russland adoptiert hatte und uns hätte helfen können. Die Behörden waren oftmals überfordert, da sie nur sehr wenig oder auch gar keine Erfahrungen mit Auslandsadoptionen hatten. Auch unser Sozialarbeiter war nicht sofort von unserem Vorhaben überzeugt. Nachdem wir ihm jedoch eine Akkreditierung der Agentur von den russischen Behörden vorlegten, erklärte er sich bereit, uns bei unserem Vorhaben zu unterstützen. Im Juni 97 hatten wir endlich unser Adoptionsdossier fertig gestellt - und bereits 4 Wochen später erhielten wir den Kindervorschlag: Vadim, 2,5 Jahre alt.

Im August 97 traten wir unsere Reise nach Russland/Nizhny Novgorod an. Unser Sohn Tim, damals 7 Jahre alt, begleitete uns. Wir hatten uns nach einigen Überlegungen entschlossen ihn mitzunehmen, weil uns dies richtiger erschien. Tim sollte sehen, woher sein Bruder kommt und auch Vadim sollte sofort seine neue Familie kennen lernen. In Nizhny Novgorod wurden wir am Flughafen von einem russischen Mitarbeiter der Agentur in Empfang genommen. Die Betreuung war hervorragend. Wir hatten oft überlegt, wie die erste Begegnung mit Vadim sein würde und was wir tun könnten, um Schwierigkeiten zu meistern. Doch es kam ganz anders........
Als wir im Besucherraum warteten, hörten wir plötzlich die schnellen Schritte eines Kleinkindes, im nächsten Moment flog die Tür auf und Vadim rief: "Mama!" - und kam mit ausgebreiteten Armen auf uns zu. Wir brauchten nur noch die Arme auszustrecken und ihn an uns zu drücken. Vadim war viel zu klein für sein Alter und sehr dünn. Er hatte erst gerade das Laufen erlernt und war noch sehr unsicher. In seiner allgemeinen Entwicklung war er in vielen Bereichen mindestens 1-2 Jahre zurück. Wir durften alleine mit ihm auf den Spielplatz gehen und täglich mehrere Stunden mit ihm spielen. Wir sahen, dass Vadim sich immer sehr auf unseren Besuch freute und auch wir konnten den nächsten Tag kaum erwarten. Tim und Vadim hatten von Anfang an eine gute Beziehung. Am 7. Tag war der Gerichtstermin, wir wurden offiziell zum zweiten Mal in unserem Leben Eltern und waren überglücklich.
In den ersten 2-3 Monaten hatten wir sehr mit Leons Eingewöhnungsschwierigkeiten und Trennungsängsten zu kämpften. Er schlief sehr wenig und schrie oft stundenlang. Er aß nur Brei und Pudding, konnte nicht spielen. Viele Dinge, die für uns selbstverständlich erschienen kannte er nicht, denn er hatte das Kinderheim nie verlassen. Nachdem es uns jedoch gelungen war, Leons Vertrauen allmählich zu gewinnen, verbesserte sich die Situation stetig. Als Leon entdeckte, dass es viel köstlichere Dinge als Brei und Jogurt gibt, wurde sein Appetit zunächst grenzenlos. So wuchs er im ersten Jahr 12 cm! und nahm auch entsprechend an Gewicht zu. Heute ist Leon14 Jahre alt. Er besucht mit Freude die Schule, hat dort viele Freunde und ist ein selbstbewusster und fröhlicher Junge geworden. Die beiden Brüder, Tim und Leon haben nach wie vor ein sehr gutes Verhältnis -eben wie ganz „normale" Brüder, die sich immer wieder mal balgen - sich aber nicht missen möchten.

2003 adoptieren wir Felix im Alter von 2 Jahren ebenfalls aus Nizhny Novgorod in der Russischen Föderation. Er ist jetzt 6 Jahre in unserer Familie und wir sind sehr stolz auf unseren Kinder, die eine wunderbare Entwicklung in all den Jahren genommen haben.